Unser Fraktionsvorsitzender, Andreas Wolf-Kather, übermittelte in der Stadtratssitzung am 29.08.2018 seine Gedanken zur aktuellen Situation in unserer Stadt Chemnitz.

Das tragische Ereignis am Rande des Stadtfestwochenendes macht uns sehr betroffen. Unser Mitgefühl ist bei der Familie des getöteten Daniel Hillig sowie bei den verletzten Beteiligten. Wir erwarten ebenso, wie die Angehörigen, Freunde und vielen mitfühlenden Menschen eine rasche und sorgsame Aufklärung dieser schrecklichen Gewalttat.

Es gibt eine große Anteilnahme unter den Chemnitzern, welche durch öffentliche Beileidsbekundungen sehr präsent sind. Um dem Bedürfnis Raum zu geben, folgten viele Menschen den Aufrufen unterschiedlicher Initiativen.

Zudem nutzen viele Bürger diese Veranstaltungen, um ihre generelle Unzufriedenheit gemeinschaftlich zum Ausdruck zu bringen. Dabei vermischen sich die Protestierenden mit jenen Menschengruppen, die ihr Entsetzen zur Straftat bekunden wollen. Jeder sollte genau hinschauen, wo man sich einreiht. Sind es Menschen, die ihr aufrichtiges Beileid übermitteln oder sind es organisierte Leute, die die Gelegenheit für sich nutzen, um die Protestler für sich zu gewinnen?!

Vielleicht mag es nicht gleich für jeden so offensichtlich sein, wer, warum, gerade das Wort ergreift. Doch man kann es sehen und hören! Jeder hat die Wahl für sich selbst zu entscheiden. Das Grundgesetz sichert uns dieses zu. Was es niemanden zusichert – und hoffentlich auch niemals darf – ist unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit Rassismus und Hetze zu betreiben. Wer sich also zu Leuten gesellt, welche Fremdenfeindlichkeit schüren, und dabei Gewalthandlungen an Mitmenschen billigen, braucht sich nicht darüber zu verwundern, wenn man die Beteiligten allesamt in eine braun angestrichene Schublade steckt. Das kann jedoch nicht der Sache dienen, denn die eigentlichen Anliegen, wie das Aufzeigen von Unzufriedenheit oder Solidaritätsbekundungen gehen darin unter!

Durch das Mitwirken von Chemnitzer- und landesweiten extremen Gruppierungen muss man die jetzige Situation in unserer Stadt als unberechenbar einschätzen. Dass die vor Ort eingesetzten Kräfte der Polizei dem großen Ansturm von Demonstranten am letzten Montag bei weiteren Ausschreitungen unterlegen gewesen wären, liegt nahe. Daher müssen sich die Sicherheitsverantwortlichen sehr wohl fragen lassen, wie man das künftig führen will.

Wenn die Bevölkerung zwischen die Lager von organisierten Demonstrantengruppen gerät, verursacht dies zudem große Verunsicherung und Ängste. Wie sich unsere ausländischen Mitbürger dabei fühlen, muss als dramatisch bezeichnet werden.

Heute, hier auf dem Markt gibt es eine Aktion zur kritischen Lage in der Pflege. Viele Menschen mit Migrationshintergrund arbeiten mittlerweile in diesem Bereich, weil zu wenig heimisches Pflegepersonal nachkommt.

Was, meinen Sie, was diesen bereits gut integrierten Freunden bei den teilweise stark ausländerfeindlichen Krawallen durch den Kopf geht?!

Und mittlerweile ist auch jedem durch die Medien deutlich, welches Bild von Chemnitz nach außen getragen wird!

Wir dürfen uns jetzt nicht einfach weiter an das bisherige „Tagesgeschäft“ halten und, sondern müssen uns gesamtheitlich um die Probleme der Menschen kümmern. Sonst wird die angespannte Situation nicht mehr zu verbessern sein. Das würde zur Folge haben, dass wir nicht mehr aus der Krise herausfinden und sich unsere Gesellschaft weiter entzweit.

Wir fordern alle auf, besonnen zu sein und keinen Hass zu verbreiten!

Wir verurteilen Hetzjagden und Gewalt aller Couleur…

Die Rede unseres Fraktionsvorsitzenden könnt Ihr Euch auf chemnitz.de bis zur nächsten Stadtratssitzung (ab Minute 29:44) am 26.09. anschauen. Das Sachsen Fernsehen bietet auf ihrer Webseite eine Zusammenfassung der Fraktionsreden an, die wir Euch auch gern empfehlen.