Am 16. Ju­li 2014, ge­ra­de ein­mal an­dert­halb Stun­den vor der ers­ten Sit­zung des neu ge­wähl­ten Stadt­ra­tes, wäh­rend ei­ner Tra­di­ti­on ge­mäß des­sen Mit­glie­der in der Kir­che sa­ßen und be­vor sie den Eid schwo­ren, aus­schließ­li­ch zum Wohle der Bür­ger und der Stadt zu han­deln, mach­ten Än­d­e­rungs­an­trä­ge der gro­ßen Frak­tio­nen die Run­de, die die Rech­te der klei­ne­ren Frak­tio­nen schmä­lern soll­ten.

Ein­zi­ger wich­ti­ger Ta­ges­ord­nungs­punkt der Sit­zung war die Wahl der Aus­schüs­se. Laut neu­er Ge­setz­lich­kei­ten in der säch­si­schen Ge­mein­de­ord­nung ist ne­ben der 2009 an­ge­wen­de­ten „Ver­hält­nis­wahl“ ei­ne so­ge­nann­te „Be­nen­nungs­wahl“ mög­l­i­ch, die je­doch die klei­ne­ren Frak­tio­nen stark be­nach­tei­ligt. Das be­deu­tet, dass im Vor­feld die gro­ßen Frak­tio­nen CDU, SPD und LIN­KE je­weils drei bis vier Aus­schuss­mit­glie­der pro Gre­mi­um be­nen­nen kön­nen, die GRÜ­NEN ei­nen Platz fest ha­ben und schließ­li­ch über den letz­ten Platz pro Aus­schuss durch Zie­hung ei­nes Lo­ses ent­schie­den wird. Im Los­topf sind al­ler­dings wie­der CDU, SPD so­wie LIN­KE mit drin – und letzt­end­li­ch AfD, Pro Chem­nitz, FDP und VO­SI/Pi­ra­ten.

Ent­spre­chend den neu­en Ver­hält­nis­sen im Stadt­rat, bei dem jetzt auch vie­le klei­ne­re Frak­tio­nen ver­tre­ten sind, und im Sin­ne ei­ner aus­ge­wo­ge­nen Ver­tei­lung woll­te die Ver­wal­tung die An­zahl der Aus­schuss­sit­ze von 13 auf 15 er­höh­en. Auf ge­mein­sa­men An­trag der gro­ßen Frak­tio­nen wur­de das ab­ge­lehnt. Ge­ra­de die Par­tei­en, die ins­be­son­de­re nach au­ßen für ei­ne Bür­ger­be­tei­li­gung ste­hen, ha­ben da­mit gleich zu Be­ginn der neu­en Le­gis­la­tur­pe­ri­ode die Mit­wir­kungs­rech­te der „Klei­nen“ – im­mer­hin et­wa 20 % des Stadt­ra­tes – aus­ge­he­belt.  Was soll das für ei­ne De­mo­kra­tie sein?

Al­ler­dings: Das Los­glück sprach uns ei­nen Platz im So­zi­al­aus­schuss zu. Mit bit­te­rem Nach­ge­schmack freu­en wir uns letzt­end­li­ch dar­über, da die VO­SI fünf Jah­re lang ver­ge­bens ver­such­te, die­sen Platz vor Ge­richt ein­zu­kla­gen. Er­staun­li­ch, For­t­u­na hat wohl doch ei­nen Sinn für Ge­rech­tig­keit. Wei­ter­hin ist un­se­re Frak­ti­on im Pe­ti­ti­ons­aus­schuss und Stra­te­gie­aus­schuss bis zum Jahr 2020 ver­tre­ten.

Un­ser An­lie­gen ist, die­sen „Teil­er­folg“ trotz der un­ge­rech­ten Be­nen­nungs­wahl zu nut­zen, um als VO­SI/Pi­ra­ten no­ch mehr de­mo­kra­ti­sche Mit­wir­kung und Ein­be­zie­hung von krea­ti­ven und sach­kun­di­gen Bür­gern in Chem­nitz ein­zu­for­dern.